Warum trinken wir eigentlich Kuhmilch? – Ein Blick in die Geschichte

Warum trinken wir eigentlich Kuhmilch? – Ein Blick in die GeschichteKuhmilch ist ein täglicher Begleiter. „Gut für die Knochen,“ hat die Oma immer gesagt. Doch kaum einer stellt sich die Frage: was war eigentlich davor? Wie konnte die Muttermilch der Kuh zum Lebenselixier von uns Menschen werden? Warum ist es in anderen Kulturen überhaupt nicht üblich, Tiermilch zu trinken, in unserer aber schon? Ist Milch am Ende vielleicht doch nicht unbedingt der flüssige Gesundmacher? Kleiner Spoiler: Propaganda hat schon oft den Lauf der Geschichte beeinflusst.

Let’s talk biology!

Kuhmilch an sich ist ein fester Bestandteil in der europäischen Küche – sei es im Kaffee für den perfekten Schaum, im Müsli, im Kuchen oder sogar in Saucen. Milch ist gefühlt der unverzichtbare Allrounder unserer Küchen. Und das schon seit Jahrhunderten. Obwohl der menschliche Körper evolutionsbedingt gar nicht dafür gemacht ist die Muttermilch der Kühe zu verstoffwechseln. Für die Verträglichkeit von Kuhmilch bedarf es einem Enzym namens Lakat. Das spaltet die Laktose der Milch auf und ermöglicht die Verdauung. Dieses Enzym fehlte dem menschlichen Körper ursprünglich. Genauer gesagt bis vor ca. 7.500 Jahren.

What the milk?! – Warum denn dann trotzdem?!

Wie kommt es dann, dass unsere Vorfahren trotzdem zur Milch griffen, fragt ihr euch jetzt? Waren die vielleicht einfach im Experimentiermodus? Nö. Die hatten einfach Hunger. Rund 7.500 Jahre ist es her, da steckte die Landwirtschaft noch in den Kinderschuhen. Beziehungsweise wohl eher noch im Strampler… Mit dem Anbau von Nutzpflanzen kennt man sich noch kaum aus. Milch ist da also eine kalorien- und eiweißreiche Alternative für diejenigen, die sie problemlos verwerten können.Man geht sogar davon aus, dass die Milch das Überleben vor dem Hungertod gesichert und somit einen entscheidenden Beitrag zur Zivilisation in Europa geliefert hat. Also: Ende gut, Milch gut. Oder?

Vom 1. Weltkrieg bis heute: Die Milch macht’s!

Fakt ist: Heutzutage ist Milch kein überlebenswichtiges Nahrungsmittel mehr. Es dient einzig und alleine unserem Genuss. Fair enough. Nur wie das mit dem Genuss so ist: Am größten und schönsten ist der, wenn man ihm mit gutem Gewissen frönen kann. Da kommt euch gleich das Stichwort Massentierhaltung? Uns auch. Mehr dazu später. Jetzt fragen wir uns erst einmal: Warum zum Teufel haben unsere Vorfahren auch viele Jahrtausende später nachdem sie aus dem Gröbsten raus waren, weiterhin Milch getrunken? Wo es dem Körper doch eigentlich gar nicht gut tat… Nach dem ersten Weltkrieg macht die Milchwirtschaft unglaubliche 20% der gesamten Landwirtschaft aus. Der Milchkonsum war aber rückläufig. So wurde in der Weimarer Republik der „Reichsmilchausschuss“ gegründet – Milch wurde als gesund und überlebenswichtig für Kinder propagiert. Vordergründig ging es um die Volksgesundheit. Der eigentliche Auslöser dieser Propaganda war aber die Volkswirtschaft. Schließlich musste die Absatzmenge angekurbelt werden. Aus dieser Zeit kommen übrigens auch Claims wie „Milch, macht groß und stark“ und „Milch ist gut für die Knochen“, „Milch gibt Kraft“ usw. Obwohl man damals wusste, dass Milch gar nicht so gesund ist und für den derzeitigen Ernährungsstand auch nicht mehr Nöten gewesen wäre. So ebnete sich der Weg für die Milch zu einem DER Grundnahrungsmittel.

Die Milch und das gute Gewissen

Ach ja, da war noch was… Stichwort Massentierhaltung. Leider ist es im Leben ganz häufig so: Des einen Freud, ist des anderen Leid. Soll heißen: Während wir uns die kühle, leckere Milch Literweise zum Discounter-Preis schmecken lassen, bedeutet das für die Tiere in den meisten Fällen leider Folter und Tod. Puh, ja das hört sich jetzt in der Tat ganz schön dramatisch an und keiner mag Spielverderber. Also lasst uns nicht emotional werden, sondern die Fakten sprechen: Die Kuh, ein an sich wunderschönes muskulöses Tier, wurde über viele Jahrzehnte zur reinen Milchmaschine gezüchtet. Das sieht man am Gewicht: Der Euter einer modernen Industriekuh wiegt im Schnitt 40-50 Kilogramm. Der einer „normalen“ Kuh vor der Massentierhaltung wiegt 10 Kilogramm. Das führt dazu, dass das Tier kaum mehr laufen kann. Aber was soll’s, sie ist ja schließlich auch zum Stehen im Stall gemacht und nicht zum Grasen auf der Weide neben ihren Kälbern und den Stieren. Noch vor 100 Jahren produzierte eine Milchkuh ca. 10 Liter Milch, was den Bedarf ihrer Kälber deckte. Heute muss eine gezüchtete Milchkuh ca. 40 bis 50 Liter pro Tag geben. Andernfalls ist sie nicht rentabel für den industriellen Landwirtschaftsbetrieb.

Nachhaltig geht anders

Darüber hinaus ist die Bewirtschaftung der Milchkühe eine enorme Belastung für die Umwelt. Kuhmilch ist also nicht ohne Grund ein Dauerbrenner in der Klima-Diskussion. Die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt den gleichen Einfluss auf unser Klima wie 2,4 kg Kohlendioxid. Zum Vergleich: Das sind genauso viele Treibhausgase, wie bei der Verbrennung eines Liters Benzin entstehen. Und dabei sind die Emissionen, die der Transport, die Verarbeitung und Lagerung verursachen, noch nicht mit eingerechnet. Natürlich muss man ebenfalls betrachten, dass nicht alle pflanzlichen Alternativen umweltfreundlich sind. GMO Soja, der in Südamerika angebaut wird zum Beispiel, belastete auf seine Weise die Natur. Der große Vorteil von Pflanzenmilchan sich ist aber, dass sie die komplette Massentierhaltung unnötig macht.

What’s next: Doku Soap oder traurige Realität?

Das Wissen, dass Tiermilch gar nicht so gesund ist wie lange angenommen, ist mittlerweile weitverbreitet. Aber wir ignorieren es und wollen uns nicht bewusst machen, was der lecker Milchschaum im morgendlichen Cappuccino eigentlich bedeutet. Stattdessen unterstützen wir mit milliardenschweren Subventionen diese Industrie, sorgen dafür, dass viel zu viel produziert und der Preis gedrückt wird, kleine Betriebe zerstört werden und Massentierhaltung gestärkt wird. Ein Durchschnittskuh kann kaum noch gehen, weil ihr Euter übervoll mit Milch ist, dieKälber werden von ihnen getrennt und die Väter dienen als reiner Motor, der das System am Laufen hält. Klingt nach `ner krassen, neuen Netflix Soap oder? Wir wissen ja nicht wie es euch geht, aber wir schalten an der Stelle lieber um.

Das Fazit: Jeder weiß am besten, was & wie‘s ihm schmeckt

Ja, Milch ist lecker. Keine Frage. Aber eben nur dann, wenn das gute Gewissen mittrinkt. Uns im PLÄIN Team geht‘s zumindest so. Dabei lebt nur ein Drittel von uns vollständig vegan. Aber auch der Rest muss nicht auf Milchkaffee und Co. verzichten. Es gibt ja genug leckere, pflanzliche Alternativen. (Man munkelt, die leckerste und lokalste unter ihnen kommt aus Freising…) Also lasst uns doch die Kühe in ihren wohlverdienten Ruhestand schicken! Die Natur nachhaltig supporten, dem Körper etwas wirklich Gesundes anbieten und es sich gleichzeitigschmecken lassen – klingt nach einem echt guten deal, oder? Wir sind da an was Großem dran… Folgt ihr uns? Am Ende könnt ihr euren Enkeln vielleicht erzählen:„Ich hab sie miterlebt, die Revolution im Kühlregal.“ Und das ist dann keine Propaganda.

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